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Bullying - warum Kinder in der Gruppe aggressiv werden.

BR Podkast, Beitrag ist hier zu finden, dann zum 06.10.2017 scrollen.

Manuskript zu dem Beitrag zum Nachlesen:

Kinder können grausam sein – heißt es. Und besonders oft gemein sind Kinder offenbar im Alter zwischen 10 und 12 Jahren. Das legen groß angelegte Untersuchungen amerikanischer Psychologen nahe. Die haben ihre Forschung neulich auf der internationalen Bindungskonferenz in Ulm vorgestellt. Und die Ergebnisse zeigen: In Gruppen Gleichaltriger geht’s bei vor allem den 10-12jährigen ruppig zu, dort sind besonders viele sogenannte Bullys unterwegs – einzelne Kinder, die sich Opfer suchen, um sie zu drangsalieren und auszugrenzen. Warum ist das so und lässt sich daran etwas ändern?

IQ Reporterin Birgit Magiera mit Antworten:

Sie klauen das Hausaufgabenheft heimlich aus dem Schulranzen, oder hören einfach auf zu reden, wenn das Opfer näher kommt. Sie machen Nebenbei- Bemerkungen über hässliche Klamotten oder schlechte Noten….

1 OT Espelage Bullys come back  18

Sie geben ihnen fiese Spitz-Namen, lassen sie nicht mitspielen, verbreiten gemeine Lügen und das immer wieder. Normalerweise, wenn Kinder streiten, dann geht das kurz hin und her und dann is wieder gut. Bullys dagegen kommen immer wieder, die hören nicht auf.

Bullys, so nennt Dorothy Espelage die Kinder, die andere gezielt fertig machen. Die Psychologie-Professorin an der University of Florida erforscht seit mehr als 20 Jahren die Dynamik von Mobbing. Besonders heftig geht’s in Gruppen von 10 – 12jährigen zu, also am Beginn der Pubertät. Eine Phase von Abschied und Neuorientierung:

2 OT Espelage Victims  29

In dem Alter ändert sich so viel: in der Schule steigt der Leistungsdruck, da ist Wettbewerb drin, gleichzeitig beginnt die Pubertät, die Bindung zu den Eltern wird lockerer und die Freundschaften in Gleichaltrigen-Gruppen deshalb wichtiger, - sehr wichtig! In dieser Gruppe dann ein einzelnes Opfer zu tyrannisieren ist ein Weg, sich den anderen beliebt zu machen und so den eigenen Status zu sichern.

Stimmt, sagen Lena und Juliane, beide 10 Jahre alt: Tyrannische Kinder kriegen erst mal, was sie suchen, nämlich: Anerkennung von den anderen. Und keiner sagt Stop.

2A OT Juliane/ Lena

 …weil man die anderen cool findet…schönes Gefüh, .wenn die anderen einen bewundernd anschaun, wenn man so ein Kind drangsaliert. 23

Der eigene sichere Platz in der Gruppe, das ist die Belohnung für den Drangsalierer. Ein bestimmter Typ interessiert die Wissenschaftler besonders, der sogenannte Macchiavelli-Typ: das sind Kinder mit viel Einfühlungsvermögen und eigentlich hoher Sozialkompetenz. Sie sind in der Lage, ihre Gemeinheiten ganz gezielt einzusetzen. Vor Erwachsenen machen sie meist einen vernünftigen Eindruck, unter Gleichaltrigen schlagen sie dann zu. Mit diesen Kindern arbeitet Dorothy Espelage, einzeln.

3 OT ultimiate goal  28

Wir haben diese Machiavelli-Kinder rausgeholt und versucht, ihre Führungsqualitäten in prosoziales Verhalten umzulenken. Denn das sind Anführer-Kinder, Vorbilder für die anderen. Und wenn wir es schaffen sie zu überzeugen, dass sie ihren hohen Status in der Gruppe festigen können, wenn sie sich nett und prosozial verhalten – das ist das eigentliche Ziel!

Die US-Psychologin hat ihre Programme in vielen Ländern und Schulen erprobt. Unter besten Voraussetzungen lässt sich Gewalt in Gruppen, auch die unterschwellige, halbieren. Beste Voraussetzungen heißt: die Erwachsenen sind engagiert dabei.

Das gilt umso mehr für die ganz schlimmen Fälle: Kinder und Jugendliche, die schon aus allen Schulen und Einrichtungen rausgeflogen sind, weil sie jede Gruppe sprengen, landen zum Beispiel im Haunerschen Kinderspital in München, bei dem Jugendpsychiater Karl-Heinz Brisch. Dort gibt’s strenge Regeln und viel Aufmerksamkeit:

4 OT Brisch Zero 23

Für verbale Gewalt keine Toleranz, körperliche sowieso nicht, aber alleine dem anderen zu sagen – fick dich – ist Gewalt.  Und das wird sofort mit einem Stoppsignal, sofort, und das kann 5mal in der Sekunde sein so ungefähr, gestoppt und es gibt sofort Erwachsene, auf der Station, die sich mit dem Jugendlichen beschäftigen, klären was ist mit dir los, was ist der Grund, warum du jetzt über alle Grenzen gehst.

Zeit zum Zuhören und eine klare Haltung, das fordert der Bindungsforscher und Therapeut auch von Eltern.

5 OT Brisch Eltern stellung beziehen

Wir sehen viele Eltern die sich gar nicht mehr trauen hinzustehen und klar konfrontieren, haben Angst, dass nichts mehr erzählen…hören wohl was läuft, aber beziehen keine Stellung dazu.

Dabei wünschen sich die Kinder selbst, und zwar Opfer und Täter, Erwachsene, die es nicht einfach laufen lassen, sondern die da sind, wenn man sie braucht.

5A OT gruppe Kind schluss

…und ich glaube auch, die Erwachsenen sollten so ein bisschen merken, wenns bei einem Kind gerade nicht so gut läuft, also das wäre schon schön, wenn da die Lehrer von sich mal fragen würden, ob alles ok ist.

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