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Nun haben weitere Recherchen ergeben: Auch in Heimen für „schwer erziehbare" Jugendliche gehören Freiheitsbeschränkungen zum Alltag. Veraltete Pädagogik? Oder notwendige Strenge?


Es sei „das letzte Mittel", das nur im „Notfall" angewandt wird - das betonen die Heime für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Bei einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks gaben sie an, mit Spezialbetten, Time-Out-Räumen oder in seltenen Fällen sogar mit Fixierungen zu arbeiten. Der BR hatte 30 solcher heilpädagogischen Einrichtungen angefragt, die Mehrheit bestätigte die Anwendung von freiheitsbeschränkenden Maßahmen. Dies geschehe allerdings mit Einwilligung der Eltern. Doch Tatsache ist: Die Väter und Mütter haben oft keine Wahl. Viele Heime lassen die Eltern vorab pauschale Einverständniserklärungen unterschreiben. Da aber Heimplätze gerade für Schwerstbehinderte rar gesät sind, unterschreiben sie diese mehr oder weniger notgedrungen.

Wie es um die Aufnahme unseres Sohnes ins Heim ging, musste ich unterschreiben, dass man ihn im Notfall ins Zimmer sperren darf. Dass ich das machen musste, dieser Moment, als ich das unterschrieben habe, das gehört sicherlich zu den bittersten Erfahrungen im Zusammenleben mit unserem Sohn, dass ich das gemacht habe, das ist unvorstellbar.  Raphaela Ohlenforst, Mutter von Nik, heute 17 Jahre

Die Argumentation der heilpädagogischen Einrichtungen ist immer ähnlich: Es handele sich um „schwierige" Kinder, die mit solchen Maßnahmen vor sich selbst geschützt werden sollen. Oder andere vor ihnen. Und es handele sich dabei keinesfalls um eine Strafe, sondern um eine therapeutische Maßnahme. Die Kinder bräuchten eine „reizarme Umgebung". Doch die betroffenen Jugendliche nehmen solche Maßnahmen oft ganz anders wahr. Ein autistischer Junge zum Beispiel berichtet dem BR, dass er das Einsperren sehr wohl als Strafe und zudem als ungerecht und willkürlich erlebt habe. » mehr Informationen

Mit einem Beitrag von Prof. Dr. Brisch und André Kellner zum Projekt "Freedom" (ab Minute 20:40)

Beitrag in der Mediathek anschauen Hier 
(L.: 44 Minuten/ verfügbar bis 12.10.2017)

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