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ab 01.03.2016

3SAT „Und alle haben geschwiegen“ Fernsehfilm + anschl. Dokumentation/ Mediathek

Der Film erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Luisa, die im kirchlichen Erziehungsheim auf ihren Leidensgenossen Paul trifft. Hier erfahren sie beide die ganze Härte des Systems. Sie werden seelisch und körperlich misshandelt und dienen als billige Arbeitskräfte. Während Luisa zur offenen Rebellion neigt, plant der stille Paul heimlich ihre gemeinsame Flucht, um dem Grauen zu entkommen. Doch ihre Freiheit währt nur wenige Stunden.


TV-Tipp: 01.03. 20:16 Uhr und 01:16 Uhr
3SAT „Und alle haben geschwiegen" Fernsehfilm
+ anschl. Dokumentation/ Mediathek


Im Berlin des Jahres 2008 treffen Luisa und Paul nach 44 Jahren erneut aufeinander. Beide haben bisher über ihre Erlebnisse geschwiegen und sich in die Verdrängung geflüchtet. Doch Luisa sieht für sich den Zeitpunkt gekommen, ihr Schicksal öffentlich zu machen und sich damit ihrer Vergangenheit zu stellen.

Die im Film erzählte fiktive Geschichte ist inspiriert von Peter Wensierkis "Schläge im Namen des Herrn". Sein Sachbuch löste ab 2006 eine breite politische und gesellschaftliche Debatte aus und führte zur Gründung eines Runden Tisches unter Antje Vollmer.

Nach dem Bestseller "Schläge im Namen des Herrn"
von Peter Wensierski, Drehbuch: Andrea Stoll, Regie: Dror Zahavi, Länge: 90 Minuten

 

3SAT/ Mediathek:  Und alle haben geschwiegen

Die Dokumentation

Über das Leid der Heimkinder


Film von Anja Kindler, Gesine Müller und Robert Wortmann

In kirchlichen und in staatlichen Heimen wurden in den 1950er und 1960er Jahren in der Bundesrepublik etwa 800.000 Kinder gedemütigt, geschlagen, ausgebeutet und eingesperrt.

Die Dokumentation greift die Geschichten aus dem ZDF-Fernsehfilm "Und alle haben geschwiegen" auf und lässt die wahren Heimkinder erzählen, wie sie ihre gestohlene Kindheit erlebt haben. Für den Film kehrten einige an die Orte ihrer Kindheit hinter Gittern zurück.

Es waren meist nichtige Gründe, die zur Einweisung in die Erziehungsanstalten führten - Gründe, die ein gesellschaftliches Kartell bestimmte, zu dem Jugendbehörden, Gerichte, Lehrer, Nachbarn, Eltern und vor allem die damals noch einflussreichen Kirchen gehörten. Sie legten fest, was gut und böse, wer brav und wer ungezogen war und ab wann ein Mädchen als "sexuell verwahrlost" zu gelten hatte. Es reichte schon, wenn Nachbarn berichteten, dass ein Kind einer alleinerziehenden Mutter unpassend gekleidet sei oder mit 15 Jahren schon einen Freund oder Freundin hatte, auf Tanzveranstaltungen ging oder die Schule schwänzte. "Wenn du nicht brav bist, kommst du ins Heim", war eine weit verbreitete Drohung damals. Und dort landete man schneller als man glaubte. 

Wer einmal ins Heim eingewiesen wurde, blieb dort oft lange Zeit. Gut die Hälfte der Kinder war zwei bis vier Jahre in solchen Heimen. Andere verbrachten ihre ganze Kindheit und Jugend in den oft hermetisch abgeschlossenen Häusern.

3000 Einrichtungen waren es insgesamt in Westdeutschland. Viele Kinder litten unter schlecht ausgebildeten, unbarmherzigen Erziehern, die Idealen von Zucht und Ordnung anhingen und die Kinder seelisch und körperlich misshandelten. Sie wurden geschlagen, gedemütigt, zur Strafe eingesperrt und ausgebeutet. Ein ausgeprägter und anhaltender Sadismus durchzog den Alltag jener geschlossenen Anstalten, die "gefallene Mädchen" und "schwer erziehbare Jungen" auf den Pfad der Tugend und den Weg des Herrn zurückbringen sollten. 

Es war ein Martyrium im Dunkeln, denn jahrzehntelang blieben die Vorkommnisse in den westdeutschen Kinderheimen unausgesprochen. Viele der mehreren hunderttausend ehemaligen Heimzöglinge leiden bis heute unter den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit, die sie selbst Ehepartnern und nächsten Angehörigen aus Scham verschwiegen haben. Und die verantwortlichen Vertreter der Kirchen leugneten offiziell lange die Taten ihrer Pater und Nonnen.

Dokumentation in der Mediathek anschauen (Länge 28:41 min)Hier

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