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  1. Bertelsmann Stiftung: Viele Familien ärmer als bislang gedacht
  2. Elterngeld Plus: Wie geht es weiter mit der partnerschaftlichen Familienpolitik?
  3. Elterngeld Plus zeigt, Väter beteiligen sich stärker an Aufgaben in der Familie
  4. DKHW warnt vor Bedeutungsverlust der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland
  5. Kinderschutz im Koalitionsvertrag – Viele Willenserklärungen, wenig Konkretes
  6. Frühe Hilfen und Präventiver Kinderschutz – Empfehlungen an die Politik
  7. djb fordert Abschaffung des § 219a StGB und verbesserte Informationsrechte für betroffene Frauen
  8. Hilfe auch für seltene Fälle: Tag der seltenen Erkrankungen am 28. Februar
  9. Kinder brauchen Natur – Kinder brauchen Freiraum! Naturnahe Spielflächen in Städten gefordert
  10. Der „Tag der kleinen Forscher" 2018: Entdeck, was sich bewegt!

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(1) Bertelsmann Stiftung: Viele Familien ärmer als bislang gedacht

Familien mit geringem Einkommen sind in den letzten 25 Jahren weiter abgehängt worden. Mit einer neuen Methodik haben Forscher in unserem Auftrag festgestellt, dass vor allem arme Familien bisher reicher gerechnet wurden als sie tatsächlich sind. Jetzt ist die Politik gefragt, ein größeres Gewicht auf die Bekämpfung von Armut zu legen.
Die Einkommenssituation von vielen Familien und insbesondere Alleinerziehenden ist schlechter als bislang gedacht. In einer Studie in unserem Auftrag haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum jetzt erstmals für Deutschland ermittelt, welche zusätzlichen Kosten durch Kinder je nach Familientyp und Einkommensniveau entstehen. Dabei wird klar: Je geringer das Familieneinkommen ist, desto schwerer wiegt die finanzielle Belastung durch jedes weitere Haushaltsmitglied.
Um die Einkommenssituation von verschiedenen Familientypen vergleichen und die zusätzlichen Ausgaben für Kinder schätzen zu können, wurden bisher die starren Äquivalenzgewichte der OECD-Skala genutzt. Bezugsgröße dabei sind die Ausgaben für einen alleinlebenden Erwachsenen. Ein zusätzliches Kind unter 14 Jahren erhält ein Gewicht von 0,3, eine zusätzliche Person über 14 Jahren von 0,5.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse machen jedoch deutlich, dass solche starren Skalen nicht angemessen sind. Die Forscher berechneten deswegen in der Studie einkommensabhängige Äquivalenzgewichte, die einen realistischeren Blick auf die Einkommenssituation von Familien ermöglichen. Sie zeigen, dass die OECD-Skala die Einkommen armer Haushalte systematisch über- und jene reicher Haushalte unterschätzt. Denn für ärmere Familien ist die finanzielle Belastung durch Kinder im Verhältnis größer als für wohlhabende Familien. Für unseren Vorstand Jörg Dräger ist deshalb klar: „Wir können Armut nur erfolgreich bekämpfen, wenn wir sie realistisch betrachten können."
Die Untersuchung zeigt ebenfalls, dass von 1992 bis 2015 Paare mit Kindern oder Alleinerziehende im Durchschnitt finanziell stets schlechter gestellt waren als kinderlose Paare. „Mit jedem zusätzlichen Kind wird die finanzielle Lage von Familien schwieriger. Kinder sind leider ein Armutsrisiko in Deutschland", so Dräger.
Zudem ist die Einkommensschere zwischen wohlhabenden und armen Familien in diesem Zeitraum weiter aufgegangen. Seit den 1990er Jahren ist es nur jenen Familien gelungen, ihr Einkommen zu halten oder zu verbessern, bei denen die Mütter ihre Erwerbstätigkeit ausbauen konnten.
Entscheidend hierfür war der Ausbau der Kindertagesbetreuung. Kindergelderhöhungen hingegen haben die Einkommenssituation von Familien mit Kindern nicht nachhaltig verbessert. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen, allerdings sind die Effekte – gemessen mit der neuen Methode – stärker als bislang gedacht. Darüber hinaus ergeben sich im Detail erhebliche Unterschiede.
So zeigt sich, dass die Armutsrisikoquote von Paarfamilien nach der neuen Berechnung knapp drei Prozentpunkte über den bisher ermittelten Werten liegt: nach neuer Berechnung sind 13 Prozent der Paare mit einem Kind armutsgefährdet, 16 Prozent jener mit zwei und 18 Prozent solcher mit drei Kindern.
Besonders drastisch ist die Situation für Alleinerziehende. Lag deren Armutsrisikoquote nach früheren Berechnungen bei 46 Prozent – und damit schon sehr hoch –, sind es auf Basis der neuen Methode 68 Prozent. Gerade bei Alleinerziehenden führt die Anwendung der starren, einkommensunabhängigen OECD-Skala dazu, dass die zusätzlichen Ausgaben für ein Kind im Haushalt deutlich unterschätzt werden. Während beispielsweise ein Haushalt mit zwei Erwachsenen mit einem Schlaf- und einem Wohnzimmer auskommen kann, brauchen Alleinerziehende zusätzlich ein Kinderzimmer.
Zudem fallen bei niedrigeren Einkommen die speziellen Ausgaben, die für Kinder erforderlich sind – etwa für Windeln, Schulsachen oder neue und passende Kleidung –, besonders ins Gewicht. Gleichzeitig ist es für Alleinerziehende aufgrund der aufwändigeren Betreuung und Fürsorge für die Kinder besonders schwer, ihre Erwerbstätigkeit auszubauen. Vergleichbar ist die Situation für kinderreiche Familien. Dräger fasst zusammen: „Von Armut sind vor allem die Familien betroffen, die ihre Erwerbstätigkeit aufgrund besonders großer Betreuungsverantwortung nicht steigern konnten."
Die Politik sollte deshalb ein größeres Gewicht auf die Bekämpfung von Armut legen. „Vor allem Alleinerziehende brauchen stärkere Unterstützung", so Dräger. Zudem gilt es, die staatliche Existenzsicherung für Kinder neu aufzustellen. Dabei, so Dräger, sollte sich der Staat konsequent an den Bedürfnissen von Kindern orientieren. „Mit einem Teilhabegeld als neue familienpolitische Maßnahme können wir das Kindergeld, die SGB II-Regelsätze für Kinder und Jugendliche, den Kinderzuschlag und den größten Teil des Bildungs- und Teilhabepakets bündeln." Dieses neue Instrument soll gezielt arme Kinder und Jugendliche erreichen und mit steigendem Einkommen der Eltern abgeschmolzen werden.
Darüber hinaus brauchen Kinder und Eltern in ihrer Umgebung gute Bildungs- und Freizeitangebote sowie eine passgenaue, unbürokratische Unterstützung. Zudem sollte die Bundesregierung die neuen methodischen Erkenntnisse dieser Studie in ihrer Armuts- und Sozialberichterstattung berücksichtigen, damit die bisherigen Verzerrungen aufgrund der OECD-Skala zukünftig nicht weiter auftreten. „Ansonsten", so Dräger, „verlieren wir genau die aus dem Blick, die am meisten auf Unterstützung angewiesen sind."
Unser Projekt „Familie und Bildung – Politik vom Kind aus denken" hat gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Expertenbeirat ein Konzept entwickelt, wie eine neue Existenzsicherung für Kinder und Jugendliche aussehen könnte, die ihnen Teilhabe an unserer Gesellschaft gewährleistet.

Quelle: Newsletter der Bertelsmann Stiftung vom 27.2.2018

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(2) Elterngeld Plus: Wie geht es weiter mit der partnerschaftlichen Familienpolitik?

Anlässlich der heutigen Bundestagsdebatte zum Bericht der Bundesregierung zur Nutzung von Elterngeld Plus, Partnerschaftsbonus und Elternzeit freut sich das ZFF über die positive Entwicklung dieser Familienleistungen, bemängelt aber fehlende Impulse im Koalitionsvertrag für eine Weiterentwicklung einer partnerschaftlichen Zeitpolitik für Familien.
Christiane Reckmann (Vorsitzende ZFF) erklärt dazu: „Immer mehr junge Eltern entscheiden sich für das Elterngeld Plus: Ende 2017 haben 28 Prozent der Elterngeld-Beziehenden Elterngeld Plus in Anspruch genommen und damit fast doppelt so viele wie noch 2015. Damit können sie von einer partnerschaftlichen Aufteilung von familiärer Sorge und Erwerbsarbeit profitieren.“
Allerdings, so Reckmann weiter: „Jetzt gilt es den familienpolitische Paradigmenwechsel hin zu mehr Partnerschaftlichkeit, der eine geschlechtergerechte Aufteilung von Sorge- und Erwerbstätigkeit unterstützt, konsequent weiterzuentwickeln. Trotz der wichtigen Fortschritte in der letzten Legislaturperiode weist der neue Koalitionsvertrag hier eine echte Lücke auf. Wir setzen uns weiter für eine partnerschaftliche und zeitbewusste Familienpolitik ein und fordern die Weiterentwicklung des guten Ansatzes des Elterngeld Plus hin zu einer Familienarbeitszeit mit dazugehörigem Familiengeld!“

Quelle: Pressemeldung des Zukunftsforums Familie vom 23.3.2018

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(3) Elterngeld Plus zeigt, Väter beteiligen sich stärker an Aufgaben in der Familie

Drei Jahre nach dem Start legt die Bundesregierung den ersten Zwischenstand zum Elterngeld Plus vor, über den der Bundestag morgen berät. Die Bilanz ist positiv und zeigt, dass junge Familien vom neuen Elterngeld, dem Partnerschaftsbonus und der Flexibilisierung der Elternzeit profitieren. Die große Mehrheit der befragten Eltern (77 Prozent) bewertet Elterngeld Plus als „gute Sache“, wobei insgesamt 28 Prozent das Elterngeld tatsächlich in Anspruch nahmen. „Endlich Zeit füreinander“ ist eines der Hauptargumente für den Bezug von Elterngeld Plus. Insbesondere Väter treten signifikant länger beruflich kürzer und können so einen größeren Beitrag zu einer partnerschaftlichen Aufteilung von Familienaufgaben und Erwerbsarbeit leisten. Partnerschaftlichkeit bei der Erziehung der Kinder zu unterstützen, war ein Ziel dieser Leistung für junge Familien.
„Ein Beispiel intelligenter Familienpolitik, die die Verantwortungsübernahme beider Elternteile unterstützt“, so Christel Riemann-Hanewinckel, Präsidentin des Bundesverbands evangelische arbeitsgemeinschaft familie e.V. (eaf). „Ebenso wie an der Inanspruchnahme des Elterngeldes überhaupt lässt sich daran erkennen, dass junge Väter sich mehr bei familiären Aufgaben engagieren wollen und auf entsprechende Anreize reagieren. Das sollte die Politik ermutigen, die Möglichkeiten vorübergehender Stundenreduzierungen sowohl für junge Eltern als auch für Angehörige von Pflegebedürftigen auszuweiten.“
Wichtig ist es, alle Familien im Blick zu behalten, nicht nur die einkommens- und bildungsstarken. So lag das durchschnittliche Nettoeinkommen der Elterngeld Plus-Beziehenden bei 3.120 Euro im Monat, doch nur 14 Prozent hatten ein Einkommen unter 2.000 Euro. Dass Elternzeit auch noch zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes beansprucht werden kann, wusste nur die Hälfte der Eltern mit einfachem Schulabschluss. Familien, die auf den Partnerbonus verzichten, tun dies aus Sorge vor Einkommensverlusten, beruflichen Nachteilen oder Unwägbarkeiten aufgrund der geforderten Stundenanzahl. Dies alles sind Faktoren, die einkommensschwächere Familien definitiv härter treffen. An diesen Stellen besteht somit weiterhin Handlungsbedarf.

Quelle: Pressemitteilung der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie e. V. (eaf) vom 22.2.2018

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(4) DKHW warnt vor Bedeutungsverlust der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland

Das Deutsche Kinderhilfswerk warnt vor einem weiteren Bedeutungsverlust der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Anteil der Aufwendungen für die Kinder- und Jugendarbeit an den Gesamtausgaben der Kinder- und Jugendhilfe mit gerade einmal 4,08 Prozent den niedrigsten Wert seit Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes erreicht hat. Dem Ausgabenanstieg für die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt um mehr als 4,4 Milliarden Euro steht für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit nur ein leichter Anstieg der Ausgaben um rund 71,6 Millionen Euro entgegen. Angesichts der wachsenden Herausforderungen für die Kinder- und Jugendarbeit ist diese Entwicklung aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sehr bedenklich.
„Der kräftige Zuwachs der Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe insgesamt ist sehr zu begrüßen. Diese sind vor allem auf die gestiegenen Ausgaben für die Kindertagesbetreuung und die Hilfen zur Erziehung zurückzuführen. Gleichzeitig wird aber die Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland weiter marginalisiert. In den letzten Jahren mussten mehrere tausend Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, beispielsweise Jugendhäuser, Abenteuerspielplätze und Spielmobile, ihre Arbeit aufgrund finanzieller Probleme einstellen, die Zahl der Vollzeitstellen in diesem Bereich ist geradezu dramatisch zurückgegangen", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.
„Das ist insbesondere angesichts der Tatsache, dass jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen ist, ein großes Problem. Denn diese Kinder leiden aufgrund ihrer oftmals erhöhten Förderbedarfe besonders unter einer schlechten finanziellen Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit. Armut stellt für Kinder ein bedrohliches Entwicklungsrisiko dar. Deshalb ist es erforderlich, dass alle Beteiligten der Kinder- und Jugendarbeit eine besondere Empathie für diese Gruppe entwickeln. Das ist jedoch nur möglich, wenn entsprechende Personal- und Ausstattungsressourcen vorhanden sind - in Jugendzentren, Verbänden, Zirkusprojekten und Zeltlagern, auf dem Abenteuerspielplatz, auf der Straße, an Szenetreffpunkten oder im Spielmobil", so Hofmann weiter.
Kinder- und Jugendarbeit ist eine wichtige Ergänzung zum leistungsbezogenen Lernen in der Schule. Denn hier können Kinder und Jugendliche eigene Akzente setzen, sich neue soziale Beziehungen erschließen, selbst Strukturen gestalten und eigenen, individuellen Vorlieben und Kompetenzen nachgehen, die oftmals im Schulkontext nicht zum Tragen kommen. Zudem entwickeln sie dort gesellschaftlich bedeutsame Schlüsselqualifikationen. Und: Kinder und Jugendliche brauchen offene, freie Räume zur Entfaltung eigenständigen Engagements, um eine aktive partizipationsorientierte Rolle in der Gesellschaft zu entwickeln.
Das Deutsche Kinderhilfswerk unterstützt seit vielen Jahren Projekte, Einrichtungen und Initiativen der Kinder- und Jugendarbeit, die die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben. Dabei geht es vor allem um Beteiligung in Bereichen demokratischer Partizipation, um Chancengerechtigkeit und faire Bildungschancen für benachteiligte Kinder, gesunde Ernährung oder kinder- und jugendfreundliche Veränderungen in Stadt und Dorf, auf Schulhöfen, Kita-Außengeländen oder Spielplätzen. Die Schaffung sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung einer kulturellen Identität, zu kultureller Bildung und Medienkompetenz sind ebenso Förderschwerpunkte. Mit diesem finanziellen Engagement ermöglicht das Deutsche Kinderhilfswerk Maßnahmen und Projekte, die von der öffentlichen Förderung nicht unterstützt werden.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerkes vom 22.2.2018

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(5) Kinderschutz im Koalitionsvertrag – Viele Willenserklärungen, wenig Konkretes

In immerhin 32 Zeilen nehmen die Koalitionäre Stellung dazu, wie sie den Kampf gegen Kinderarmut angehen wollen. Das ist zu begrüßen; ebenso wie die Willenserklärungen zum Ausbau der Ganztagsbetreuung, zur Reform des sozialen Entschädigungsrechts und zur Verbesserung des Opferschutzes.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, finden sich bei einer ersten Durchsicht 35 Abschnitte, die sich mit Kinderschutz und Kindeswohl beschäftigen, wenn auch der Begriff Kinderschutz nur ein einziges Mal aufgeführt wird. Es gibt also einige gute Ansätze, vieles ist jedoch sehr unkonkret. Das ist nicht verwunderlich bei einem Rahmenvertrag, und doch muss die Notwendigkeit der konkreten Ausgestaltung benannt werden.
Die Forderung etwa, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen, ist wichtig und zukunftsweisend. Dass es aber für die Ausgestaltung im kommenden Jahr erst einmal eine Arbeitsgruppe geben soll, erscheint als unnötige Verzögerung. Eigentlich war die Diskussion schon weiter.
Da soll die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten verstetigt werden. Sehr gut, aber zu einer eindeutigen Aussage, zu einer Festschreibung dieser wichtigen Stelle scheint es in den Verhandlungen nicht gereicht zu haben.
Im Sinne des Kinderschutzes soll das SGB VIII weiterentwickelt werden. Es macht Sinn, die Debatte der letzten Legislaturperiode, die nicht abgeschlossen wurde, weiterzuführen. Aber in welche Richtung? Was soll reformiert werden? Leider wird weder über die Ausgestaltung des Prozesses noch über konkrete Eckpfeiler für ein inklusives Jugendhilferecht in diesem Koalitionspapier gesprochen.
Positiv ist allerdings auf jeden Fall hervorzuheben, dass dieses Mal die Verbände, Initiativen, Wissenschaftler/innen und andere Akteurinnen und Akteure von Anfang an eingebunden werden sollen.
Sehr zu begrüßen sind erste Schritte in Richtung einer kinderfreundlichen Justiz. Hier sollen in Zusammenarbeit mit den Ländern verbindliche Regelungen für die Fortbildung von Familienrichter(inne)n eingeführt werden. Außerdem sollen Kinder als Zeugen in Strafverfahren besser geschützt werden. Beides wichtige Schritte, weil damit auch das fachliche Handeln der Jugendhilfe gestärkt werden kann.
Sehr nachdenklich und kritisch stimmen hingegen die Passagen zum Umgang mit Kindern auf und nach der Flucht. Hier wird an der medizinischen Alterseingrenzung (eine genaue Bestimmung ist ja nicht möglich) festgehalten. Sollte die für das Kind negativ ausfallen, bleibt es in der ANkER Einrichtung (Ankunft, Entscheidung, kommunale Verteilung, Rückführung) bis über ein Bleiberecht entschieden wird. Auch Eltern mit Kindern sollen bis zu sechs Monaten in diesen Einrichtungen untergebracht werden. Ein Verfahren, das wohl kaum mit der UN-Kinderrechtskonvention im Einklang steht.

Quelle: Kinderschutz-Zentren Newsletter vom 22.2.2018

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(6) Frühe Hilfen und Präventiver Kinderschutz – Empfehlungen an die Politik

Der Beirat des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen begrüßt die Entwicklung im Bereich Früher Hilfen und ist gleichzeitig der Auffassung, dass die erreichte Qualität ausgebaut und verstetigt werden muss. Als Herausforderung sieht er den Ausbau des Versorgungsnetzwerkes und die Überführung in ein Regelangebot. Seine Empfehlungen an die Politik fasst der Beirat in einer Publikation zusammen.
Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) wird seit seiner Gründung von einem Beirat begleitet. Er setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der für die Frühen Hilfen besonders relevanten wissenschaftlichen Fachdisziplinen und Arbeitsfelder zusammen. Darüber hinaus sind die Bundesländer und kommunalen Spitzen vertreten. Seit 2007 gaben wissenschaftlich begleitete Modellprojekte Hinweise für die Gestaltung guter Praxis in den Frühen Hilfen, die stetig weiterentwickelt wurde.
Eine große Herausforderung in den Frühen Hilfen wird der Ausbau des Versorgungsnetzwerkes und die Überführung der Frühen Hilfen in ein Regelangebot sein. Es müssen Strukturen und Bedingungen geschaffen und fortgeführt werden, die die Qualität der Frühen Hilfen sichern und weiterentwickeln. Außerdem braucht es Raum für Innovationen, um die Frühen Hilfen immer wieder neuen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie z.B. dem Zuzug von Familien aufgrund von Flucht und Migration, anpassen zu können.
Um für Kinder aus belasteten Familien gute Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft sicherzustellen, sind Profilschärfung und Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen notwendig. Der Beirat des NZFH begrüßt die Entwicklung im Bereich Früher Hilfen und ist gleichzeitig der Auffassung, dass die erreichte Qualität ausgebaut und verstetigt werden muss.

Quelle: Newsletter des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe vom 21.2.2018

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(7) djb fordert Abschaffung des § 219a StGB und verbesserte Informationsrechte für betroffene Frauen

Anlässlich der heutigen Bundestagsdebatte über den Reformbedarf der Regelung des § 219a StGB bekräftigt der Deutsche Juristinnenbund e.V. (djb) die Forderung nach einer Abschaffung der Regelung. „Ärztinnen und Ärzte müssen über das Thema Schwangerschaftsabbruch öffentlich und sachlich informieren dürfen, ohne sich der Gefahr einer Strafverfolgung ausgesetzt zu sehen.", so die Präsidentin des djb, Prof. Dr. Maria Wersig. Nach einem im Dezember 2017 veröffentlichten Hintergrundpapier des djb ist die Abschaffung der Norm verfassungsrechtlich zulässig und bezogen auf sachliche Informationen durch Ärztinnen und Ärzte darüber hinaus verfassungsrechtlich geboten, weil die Kriminalisierung einen unverhältnismäßigen Eingriff in deren Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) darstellt.
Eine Streichung der Norm sollte flankiert werden durch die Schaffung eines Ordnungswidrigkeitentatbestands, welcher grob anstößige Werbung für Schwangerschaftsabbrüche durch Dritte sanktioniert. Das Schwangerschaftskonfliktgesetz sollte explizit um Informationsbefugnisse für Ärztinnen bzw. Ärzte und Beratungsstellen ergänzt werden. Ein entsprechendes Informationsrecht von betroffenen Frauen gegenüber staatlichen Stellen wäre darüber hinaus ein wichtiger Schritt.
Sollte sich eine Mehrheit der Abgeordneten für eine Änderung statt Streichung des § 219a StGB aussprechen, sollte nach Auffassung des djb im Wortlaut der Norm explizit festgehalten werden, dass die öffentliche, sachliche Information über den Schwangerschaftsabbruch durch Ärztinnen und Ärzte, Beratungsstellen und staatliche Stellen von der Regelung nicht erfasst ist. Hintergrundpapier zur Zulässigkeit von Information und Werbung bei öffentlichen Hinweisen durch Ärzte und Ärztinnen auf die Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen und bestehende Reformoptionen vom 7.12.2017:
https://www.djb.de/verein/Kom-u-AS/K3/st17-10/

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Juristinnenbundes vom 22.2.2018

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(8) Hilfe auch für seltene Fälle: Tag der seltenen Erkrankungen am 28. Februar

Meist fängt es ganz harmlos an: eine kleine Auffälligkeit bei der Entwicklung des Kindes, eine kleine Abweichung von der Norm. Vielleicht dreht sich das Baby nicht so eifrig wie Gleichaltrige, vielleicht lernt es nur sehr mühsam zu stehen. Nichts, worüber man sich als Eltern gleich allzu große Sorgen macht. Was aber, wenn die Abklärung dieser kleinen Irritation viele Arztbesuche auslöst? Viele Fachleute auftauchen, die viele mögliche Ursachen untersuchen? Viel Zeit vergeht, in der viel Ungewissheit und viele Ängste ausgehalten werden müssen? Und schließlich eine Diagnose fällt: Es ist selten. Es ist unheilbar. Und Ihr Kind wird daran sterben.
„Für Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind bricht mit der Diagnose die ganze Welt zusammen“, weiß Sabine Kraft, Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz. „Bei seltenen Erkrankungen kommt oft dazu, dass es schwer ist, Spezialisten zu finden, die damit Erfahrung haben und überhaupt verlässliche Aussagen treffen können.“ Eine unheilbare Krankheit ist immer eine emotionale Überforderung. Doch bei seltenen Erkrankungen – in Europa sind das solche, an denen weniger als fünf von 10.000 Menschen leiden – fehlt es auch schlicht an Ansprech- und Austauschpartnern, zum Beispiel anderen Betroffenen, die dasselbe durchleben und durchleiden.
„Für viele Eltern wäre es eine Erleichterung zu spüren, dass sie nicht alleine mit einer solchen Diagnose sind“, so Kraft. Doch wer ein krankes Kind hat, macht in der Regel keine zeitraubenden Recherchen nach Unterstützungsangeboten oder Selbsthilfegruppen. Deshalb hat der Bundesverband Kinderhospiz 2015 das OSKAR Sorgentelefon ins Leben gerufen. Diese weltweit einzigartige Hotline ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr unter der Nummer 0800 8888 4711 zu erreichen, kostenlos und anonym. „OSKAR wendet sich an alle, die Fragen haben zu lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen“, erläutert Initiatorin Kraft. Rund 40 professionell geschulte Telefonberater leisten nicht nur psychosoziale Hilfe, sie haben auch Zugriff auf eine Datenbank mit vielen tausend hilfreicher Adressen, die sie den Anrufern abgestimmt auf deren Wohnort vermitteln können.
Das OSKAR Sorgentelefon informiert auch Fachleute und ist außerdem für Familien da, die bereits ein Kind verloren haben, ganz egal, wie lange das schon her ist. „Es tut gut zu wissen, dass da immer jemand ist, dem man nicht auf die Nerven geht, wenn man schon wieder mit seinen Ängsten und Fragen ankommt“, berichtet eine betroffene Mutter. Sie ist eine der vielen tausend Anrufenden, denen das OSKAR Sorgentelefon seit seiner Inbetriebnahme weitergeholfen hat. Das Angebot des Bundesverbands Kinderhospiz finanziert sich dabei rein über Spenden.
Entlastung für betroffene Familien bieten auch die Kinderhospizdienste in Deutschland. „In stationären Einrichtungen können die Familien Erholung finden, um dann alle gemeinsam weiter den Alltag meistern zu können. Ambulante Dienste unterstützen zuhause und sind unschätzbare Stabilisatoren des ganzen Systems Familie“, so Sabine Kraft. Für viele betroffene Eltern sei es aber ein schwieriger Schritt, sich an ein Kinderhospiz zu wenden. „Bei Kinderhospizen wird oft nur ans Sterben gedacht“, weiß sie, „dabei sind das Orte des Lebens!“ Das OSKAR Sorgentelefon leistet auch hier wichtige Aufklärungsarbeit und nimmt Hemmungen, damit die individuell passende Hilfe in Anspruch genommen werden kann.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Kinderhospiz vom 26.2.2018

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(9) Kinder brauchen Natur – Kinder brauchen Freiraum! Naturnahe Spielflächen in Städten gefordert

Kindern die in Städten aufwachsen, fehlen oft Flächen, auf denen sie frei spielen, sich ausprobieren und die Natur entdecken können. Die Folgen sind Bewegungsmangel, Übergewicht und Konzentrationsstörungen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen. Bereits in den 1990er Jahren wurde ein Konzept entwickelt, das dieser negativen Tendenz entgegenwirken könnte: Naturerfahrungsräume als neue Grünflächenkategorie. Leider haben sie sich auch 30 Jahre später nicht als öffentliche Freiräume in unseren Städten etabliert. Aus diesem Grund wurde am 23. Februar 2018 auf einer Fachtagung in Berlin die „Resolution für die Schaffung von Naturerfahrungsräumen in der Stadt“ verabschiedet. Oberstes Ziel ist es, dass diese Freiflächen fester Bestandteil des öffentlichen Raums werden. Angesichts der zunehmenden Verdichtung in den Städten ist dies ein dringlicher Appell. Denn die Spielflächen ohne Geräte sind nicht nur Orte der Begegnung, der Fantasie und des Abenteuers, sie fördern auch die gesunde Entwicklung unserer Kinder. Auf den Weg gebracht wurde die Resolution von der Stiftung Naturschutz Berlin zusammen mit rund 40 Teilnehmenden der Fachtagung, die in der Grün- und Umweltplanung der Landesministerien, in Stadtverwaltungen, Naturschutzverbänden und Stiftungen, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Landschaftsplanung und Wissenschaft tätig sind. Die Resolution wird außerdem von folgenden Organisationen unterstützt: Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK e.V.), Arbeitskreis Spielen in der Stadt, Beirat des Bündnisses Recht auf Spielen, Deutsches Kinderhilfswerk, ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze und Arbeitskreis Naturerfahrungsräume.
Den vollständigen Text der Resolution finden Sie zum Download unter: http://www.stiftung-naturschutz.de/presse/. Weitere Informationen zu den Naturerfahrungsräumen finden Sie unter: www.stiftung-naturschutz.de/ner.

Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Berlin vom 23.2.2018

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(10) Der „Tag der kleinen Forscher" 2018: Entdeck, was sich bewegt!

Wie kommen wir von einem Ort zum nächsten? Wie schaffen es Ameisen, sich gemeinsam auf engstem Raum zu bewegen – und das ganz ohne Stau? Was können wir gemeinsam bewegen? Diesen und anderen Fragen gehen Mädchen und Jungen am 21. Juni 2018 anlässlich der Mitmachaktion „Tag der kleinen Forscher“ in ganz Deutschland nach. Das Motto: „Entdeck, was sich bewegt!“
Bewegung findet überall statt – manchmal blitzschnell, dann wieder ganz langsam. Kinder loten von klein an mit Bewegungen aus, was sie können und was noch nicht. Wenn wir sie zum Beobachten, Fragen stellen und Lösungen suchen anregen, hinterfragen sie gleichzeitig scheinbar Selbstverständliches. Zudem erleben Kinder spielerisch, dass Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die sogenannten MINT-Fächer, lebendig, spannend und allgegenwärtig sind. Das kann beim Klettern, Tanzen oder auch beim Bau einer Kugelbahn sein.
Das „Haus der kleinen Forscher“ lädt alle Kitas, Horte und Grundschulen ein, sich am „Tag der kleinen Forscher“ zu beteiligen – sei es im Rahmen eines Forscherfests, einer Projektwoche oder einer besonderen Aktion. Darüber hinaus können auch Familien, Unterstützer der Stiftung und alle Interessierten die Forscherideen und Angebote der Stiftung nutzen.
Die Welt bewegt sich – und wir mit ihr. „Etwas bewegen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein und hilft, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen“, sagt Michael Fritz, Vorstand der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. „Wir möchten Kinder, aber auch die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützen, die Welt, die sie umgibt, zu erkunden.“
Mit offenen Augen sollen Kinder die Welt selbst entdecken können. Neben der Freude am Forschen stehen daher auch in diesem Jahr Toleranz und Offenheit im Mittelpunkt. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ setzt sich ausdrücklich für den Zugang zu Bildung für alle Kinder und damit für deren gesellschaftliche Teilhabe ein – unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Einkommen der Eltern.
Bereits seit 2009 ruft die Stiftung jedes Jahr zum gemeinsamen Entdecken und Feiern auf. In diesem Jahr unterstützen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die Robert Bosch Stiftung die Aktion.
Alle, die mitforschen möchten, finden auf der Website www.tag-der-kleinen-forscher.de kostenfreie Anregungen, Materialien und Forscherideen.

Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Haus der kleinen Forscher vom 26.2.2018

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