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Montagnachmittag, gleich muss Paul Bern wieder zum Bahnhof. Die letzten zwei Stunden verbringt er mit Kira in Bremen auf dem Spielplatz. Der Frühsommer ist zum Glück nicht mehr so verhalten wie die Tage zuvor. Paul Bern hat seine Tochter schon mittags aus dem Kindergarten abgeholt, damit sie noch etwas Zeit haben, Zeit zu zweit. Der Vater sitzt auf der Bank, das Mädchen im Sanskasten. Sie sagt: "Ich will bei dir bleiben Papa." Er sagt: "Aber wir sehen uns doch bald wieder." [...]

"Der Klassiker", sagt Karl Heinz Brisch, "die Eltern schicken ihre Kinder in Therapie, dabei müssten sie selbst dort sitzen." Zu ihm in die psychosomatische Ambulanz im Haunerschen Kinderspital in München kommen Kinder, die denken, der Vater sei gegangen, weil sie den Hund nicht Gassi geführt haben. Kinder, die die Briefe vom Anwalt verstecken, um neuen Ärger zwischen den Eltern zu verhindern. Er behandelt Fünfjährige mit Angsstörungen, Siebenjährige mit Schlafstörungen, Dreihährige mit Essstörungen, Elfjährige mit Lernstörungen. Fast alle sind Trennungskinder. Viele Eltern glaubten, dass ihre Probleme erledigt seien, wenn sie sich räumlich trennten, sagt Brisch. "Das reicht aber nicht. Sie müssen es schaffen, die Paar- von der Elternebene zu lösen." Mutter und Vater sollen also Kränkungen und Verletzungen aus der Beziehung ausblenden, wenn es um die Kinder geht. Leichter gesagt als getan. Das allein zu bewältigen ist für viele Eltern schlichtweg unmöglich. Trotzdem weigern sich viele, Hilfe anzunehmen. Die Standartantwort, die Brisch zu hören bekommt, lautet: "Ich bin okay, der andere gehört theapiert." 
© Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content).

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