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Über die schwierige Aufgabe von Pflegeltern sprachen die SN mit dem Bindungsforscher und Psychiater Karl Heinz Brisch.

SN: Herr Professor Brisch, was können Pflegeeltern leisten?

Brisch: Es gibt eine Reihe von Kindern, die in ihren Ursprungsfamilien so viel Stress und Belastung haben, dass sie dort nicht gesund aufwachsen können. Dabei geht es nicht nur um Gewalt, wie man denken mag, sondern dass Familien in unserer Zeit extrem belastet sind durch Trennungen, Verluste, wirtschaftliche Not und ähnliches. Für solche Kinder braucht es Pflegeeltern, die motiviert sind, sie vorübergehend oder länger aufzunehmen, damit sie wieder Beziehungspersonen haben, die sich emotional auf sie einlassen und ihnen Bindungssicherheit geben.

 

SN: Der Anspruch ist hoch. Wie ist er erfüllbar?

Ein Irrtum wäre es zu glauben, wir haben drei Kinder, da kann noch eines mitlaufen. Das geht nicht, weil diese Kinder einen intensiven Betreuungs- und Beziehungsbedarf haben. Daher brauchen Pflegeeltern eine Ausbildung. Sie müssen etwas wissen über Stress, Stresssymptome, Belastung, Trauma. Das kann man gut vermitteln, aber das braucht Schulung und – was weithin noch am meisten fehlt – beständige Begleitung und Supervision. Es genügt nicht zu sagen, ich liebe Kinder, ich habe ein großes Herz, da ist auch noch Platz für ein traumatisiertes Kind, sondern man muss auch wissen, was das Kind benötigt. Wenn es zum Beispiel Gewalt erlebt hat, kann es für dieses Kind ein extremer Stress sein, wenn es jemand liebevoll in denArm nehmen möchte. Seine Erfahrung ist, dass Körperkontakt Gefahr bedeutet. Der Versuch der Pflegemutter, es durch körperliche Nähe zu trösten, wird vom Kind als Bedrohung erlebt und nicht verstanden.
(Quelle: Salzburger Nachrichten, 22.11.16, von Josef Bruckmoser) 
 

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