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Interview. Der Bindungsforscher und Kinderpsychiater Priv.-Doz. Dr. Karl Heinz Brisch leitet seit Kurzem den ersten Lehrstuhl für „Early Life Care" an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. MT traf ihn zum Gespräch über Bindung und Migration.

Flüchtlingskinder erleben oft Stress, Anpassungsdruck, Entbehrungen und Anfeindungen. Die Folge können Bindungsunsicherheiten und extreme Ängste sein - schreiben Sie in Ihrem Neuen Buch „Bindung und Migration".

Welche Herausforderungen können sich daraus für Ärzte im Berufsalltag ergeben?

Brisch: Gerade Flüchtlingskinder haben ja oft schon vor der Flucht, in ihrem Ursprungsland, viel Stress erlebt. Wenn wir davon sprechen. Das ihr Bindungssystem extrem erschüttert ist, so ist damit gemeint, dass sie ihr Gefühl von Urvertrauen und Sicherheit, im Schutz durch liebevolle Menschen verloren haben. Durch die Flucht sind tatsächlich Beziehungen zu Familienmitgliedern und zu Freunden oder anderen Bindungspersonen abgebrochen. Zusätzlich sind sie von ihren sprachlichen und kulturellen Wurzeln isoliert worden. Setzt sich der extreme Stress dann in der neuen Kultur fort, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erfahrungen potenziell traumatisch verarbeitet werden und zu tiefgreifenden Bindungsunsicherheit führen, mit einem Gefühl von extremer Angst und Panik.
(Quelle: Medical Tribune/ Pädiatrie, Nr. 42, 19. Oktober 2016)

Als Ärzte können wir einen großen Beitrag leisten, indem wir Betroffenen emotional feinfühlig, warmherzig, akzeptierend begegnen. Priv.-Doz. Dr. Karl Heinz Brisch

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