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"In Mordfantasien verwandeln sich Opfer in grandiose Täter"

 

Jugendpsychotherapeut Hans Hopf: Für Attentäter ist narzisstische Wut kennzeichnend - „Amokläufer wie Terroristen mangelt es an Selbstachtung und Selbstwert" 

Der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut Dr. Hans Hopf ist ein ausgewiesener Spezialist insbesondere für die Analyse und Behandlung von Jungen, die psychische Probleme mit sich und ihrer Umwelt haben. Hopf, Jahrgang 1942, arbeitet und lebt in Mundelsheim.

Herr Dr. Hopf, ein 15-Jähriger aus Gerlingen soll einen Amoklauf vorbereitet haben. In seinem Zimmer wurden Kleinkaliberpatronen, Dolche, Chemikalien, die Anleitung zur Herstellung von Sprengkörpern sowie Fluchtpläne seiner Schule gefunden. Was läuft schief, wenn so etwas niemandem auffällt?

Hans Hopf: Natürlich kenne ich diesen jungen Mann nicht. Dennoch muss ich mich darüber wundern, dass weder Eltern noch Mitschülern etwas aufgefallen sein soll. Wenn ein Jugendlicher mörderische Fantasien bereits so konkret umsetzt, hat das immer eine lange Vorgeschichte. Es handelt sich um sehr zurückgezogene, sehr narzisstische Jugendliche. Das heißt, sie leiden an geringem Selbstwert, und sie sind in hohem Maße verletzlich. Nicht selten haben sie auch in ihrem Umfeld Kränkungen erfahren, wurden gemobbt und bloßgestellt. Sie können einen Hass auf alle entwickeln, die die glücklich, erfolgreich und die beziehungsfähig sind. Mit ihren Fantasien, andere zu vernichten, wandeln sie sich vom Opfer zum Täter- Wenn sich eine Entwicklung andeutet, sollten Eltern so früh wie möglich bereit sein, das Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen und psychologische Beratung oder Psychotherapie in Anspruch nehmen.

 

Welche Bedeutung haben Computerspiele?

Hans Hopf: Jungen werden wegen ihrer narzisstischen Neigung von Computerspielen mehr fasziniert als Mädchen. Im Spiel sind sie allmächtig und können alle Fantasien ausleben. Es gilt als erwiesen, dass Computerspiele mit gewalthaltigen Inhalten entsprechende Fantasien noch stimulieren und verstärken können. Es ist sicherlich kein Zufall, dass alle Attentäter solche Spiele - oft exzessiv- ausgeführt haben. (Quelle: Ludwigsburger Kreiszeitung | 29. Juli 2016, Fragen von Steffen Pross) 

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Online-Beitrag/kurz: Hier

Literatur-Tipp: Hans Hopf: Die Psychoanalyse des Jungen. Klett-Cotta, 408 Seiten.

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