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"Wider den Gehorsam" – es ist eine direkt und an jeden gerichtete Aufforderung, mit dem der 91 Jahre alte Psychoanalytiker Arno Gruen sein jüngstes Buch überschreibt. In dem Essay geht Gruen der Frage nach, warum wir uns immer wieder freiwillig dem Willen anderer Menschen unterwerfen.

Die zerstörerische Dynamik des Gehorsams und die verlorengegangene Empathie: Das sind die Lebensthemen von Arno Gruen. Ein Mann, der vor den Nazis aus Berlin flüchtete, in den USA Analytiker wurde und heute in der Schweiz lebt und schreibt. Auch als Analytiker arbeitet er noch.

Wie wurde er selbst durch seine Kindheit geprägt? Warum sind wir so gerne gehorsam? Können wir Empathie lernen? Fragen, die ihm Britta Bürger gestellt hat.

Schon als Kind hätten ihn die Propheten in der Bibel bewegt, erzählt Gruen - weil sie "immer für Recht und gegen Unrecht kämpften".

"Das ist das Motiv meines Lebens", so der Analytiker. Er möchte die Menschen mit seinem neuen Buch "aufwecken", "so dass sie zu sich selbst kommen können".

"Gehorsam meint, dass man das eigene Selbst nicht wirklich entwickeln kann", erläutert er: "Dass man keine wirkliche Verantwortung für sich selbst entwickelt."

In letzter Konsequenz führe Gehorsam politisch zu Autorität, Faschismus und Gewalt, betont Gruen. Er setzt dem eine Vision entgegen: das Zusammenleben "auf der Basis von empathischen Empfindungen".

(Quelle: Deutschlandradio Kultur, Moderation: Britta Bürger, 24.November.2014)

Radio-Beitrag: Nachhören

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