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René stürmt in die 2. Klasse der Helen-Keller-Schule in Ibbenbüren. Er ist vom Fußballspielen völlig außer Atem. Trotzdem fragt er: „Darf ich meine Schuhe anlassen?“ Er darf.

René hat eine ungewöhnliche Schulstunde hinter sich: „Baby-Watching“. In der vierten Stunde hat er Anja Moormann und ihrem Baby Matti zugeguckt. 20 Minuten haben die beiden vor Renés Augen und denen seiner Mitschüler gespielt und getüddelt. Und damit das Baby dabei nicht mit dem Schmutz der Straße in Berührung kommt, ziehen die Kinder vorher ihre Schuhe aus, berichtet Lehrerin Silke Graaf.

Solche Achtsamkeit ist für Kinder in dem Alter keine Selbstverständlichkeit. „Wir haben viele Schüler mit Bindungsproblemen“, sagt Schulleiterin Reinhild Fenker. „Mit dem Baby-Watch­ing versuchen wir, unsere Kinder offen und zugänglich zu machen und ihnen zu helfen, Empathievermögen zu entwickeln.“ Und Christoph Moormann, Schulseelsorger des Bistums Münster, schwärmt von dem Projekt: „Die Kinder identifizieren sich mit dem liebevollen Verhalten der Mutter und agieren selbst weniger aggressiv. Zudem lernen sie, über Gefühle zu sprechen, werden feinfühliger und empathischer. Die Beziehungskompetenz der Schüler verstärkt sich deutlich.“

Tatsächlich weiß die speziell ausgebildete Moderatorin Stefanie Glüsing, dass viele Kinder durch das Programm über ihre eigene Geschichte nachdenken, zu Hause fragen, wie das eigentlich mit ihnen war, als sie sieben Monate alt waren. Hatten sie da schon Zähne? Haben sie auch schon auf einem Zwieback herumgelutscht? Haben sie sich auch auf die Seite gedreht? Stefanie Glüsing ermuntert die Jungen und Mädchen, zu berichten, was Matti gerade anstellt: „Der hat mich angelacht“, sagt Pia. „Der hat gepupst“, stellt René fest. „Der hat den Popo hoch gemacht“, ruft Fabian. » mehr

 

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