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Die Gewalt zwischen den Buchdeckeln

In der Stadtbibliothek findet eine kluge Diskussion zu einem schwierigen Thema statt: Was sollen Jugendliche lesen dürfen?

München – In jenem Moment zu Beginn des Abends, als Frank Griesheimer bekannte, dass er selbst unentschieden sei, was er über Gewaltdarstellung in Jugendbüchern denken solle,war klar: Dies wird eine kontroverse Begegnung–

und damit ein gelungener Abend. Denn „Kontrovers“ lautet nicht nur der Titel der neuen Veranstaltungsreihe der Münchner Stadtbibliothek Am Gasteig, es wurde tatsächlich auf Grund der klugen Auswahl der Moderatoren und Gäste

dazuaufgefordert, über vielschichtige Argumente nachzudenken und darüber offen zu diskutieren.

Der Kinder- und Jugendbuchlektor Frank Griesheimer und die Herausgeberin und Rezensentin Christine Knödler führten am Dienstagabend mit viel Sachkenntnis und einem gehörigen Anteil eigener Emotion das Gespräch über Gewaltdarstellungen in Büchern für noch nicht erwachsene Leser. Sie hatten sich dazu die Schriftstellerin Jutta Richter aus dem Münsterland

und den Münchner Kinder- und Jugendpsychiater Psychiater Karl Heinz Brisch geladen. Das Thema brennt: In Kinderzimmern werden Krimis, Fantasyliteratur und Thriller gelesen. Freiheitsberaubung, sexuelle Belästigung bis hin zum Mord perfider Art werde literarisch aufgearbeitet. Das Thema beschäftigt Verlage, die entsprechende Bücher herausbringen und verkaufsversprechende, das heißt düstere Cover, gestalten lassen. Es sollte auch Eltern beschäftigen, deren Kinder hinter den meist dicken Schwarten tagelang verschwinden. Bleibt die große Frage: Was machtdas mit denLesern? Funktioniert etwa die Abschreckung?

Wenn Neugier entstünde,warumdie JugendlichenimBuch so handeln, dannwäre das gut, so die Antwort von Karl Heinz Brisch darauf. Aber er könne das nicht so genau sagen, ob das so sei, dazu müsse manjugendliche Leser selbst befragen.Womöglich hat der Psychotherapeut aus diesem Gespräch die Anregung für eine Studie mit nach Hause genommen. Untersucht sind die Auswirkungen von Bildern, die durch Wörter im Kopf entstehen, bislang offensichtlich nicht. Sowurdenan diesem Abend Filme und Computerspiele als sehr vielverdammenswerterangesehen, jedenfalls von jenen, die sich mit Literatur beschäftigen.

 

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