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Wie sich eine Mutter mit ihrem Baby verhält, konnten Kinder in städtischen Kinderzentren beim BASE-Babywatching beobachten. Im Mai endet nach anderthalb Jahren das Pilotprojekt an 25 Frankfurter Kitas, Kindergärten, Krippen und Horten im Stadtgebiet.

Beim Babywatching sahen die Drei- bis Sechsjährigen einer Mutter und ihrem Kind beim Umgang miteinander zu, während die vorab geschulten Erzieherinnen Fragen stellten. Was machen das Baby und die Mutter? Warum machen sie das? Wie fühlt sich das für sie an? Was würdest du machen, wenn du das Baby oder die Mama wärst?


Emotionen besser deuten

Das angeleitete Beobachten und Versprachlichen soll den Kindern ein Gespür für ihre eigenen Gefühle und die anderer vermitteln, so das Ziel des gemeinschaftlichen Projekts von Stadtschulamt und dem Klinikum der Universität München. Die Kinder sollen lernen, Emotionen besser zu deuten und feinfühliger zu werden. Angst oder Aggression sollen durch das bessere Verständnis des Gegenübers abgebaut werden. Der Titel des Projekts, BASE-Babywatching, steht für „Babywatching against Aggression and Anxiety for Sensitivity and Empathy“.

„Wir mussten tüchtig werben, um Mütter zu finden“, schildert Projektleiter Karl Heinz Brisch die ersten Hürden nach dem Auftakt im September 2012. Die Mentorinnen, die als Hebammen arbeiteten, hätten geholfen, werdende und junge Mütter für das Projekt zu finden. 18 Mütter hätten sich beteiligt, „aber keine Väter“, bemerkt Jeanette Hollerbach, die das Pilotprojekt in der Stadt wissenschaftlich begleitet.

Babywatching habe die selbst gesteckten Ziele erreicht, führt Hollerbach aus. Die Kinder verhielten sich gegenüber Gleichaltrigen prosozialer und weniger aggressiv. Es falle den Kindern zunehmend leichter, sich in die Gefühls- und Denkwelt der anderen Kinder und des Babys hineinzuversetzen.

Das zeige auch ein Informationsfilm, in dem die Erzieher, Mentorinnen, Mütter und Kinder zu Wort kommen. „Eigentlich wollten wir eine DVD mit hessischsprachigen Kindern aufnehmen“, sagt Hollerbach, aber so viele habe es in Frankfurt gar nicht gegeben. In den Kitas habe es vielmehr einen multikulturellen Hintergrund gegeben.

Die Kinder hätten durch das Babywatching ihre Art zu sprechen verändert und ausführlichere Antworten gegeben, berichtet eine Gruppenleiterin in dem Film. Sie bestätigt, dass aggressives Verhalten in ihrer Gruppe zurückgegangen sei. Eine junge Mutter äußert im Video den Wunsch, dass sich in Zukunft mehr Väter beim Babywatching beteiligten. Für die Väter sei das eine Chance, eine intensive Zeit mit ihrem Kind zu erleben.

Nach der Pilotphase, die im Mai endet, soll das Projekt in Frankfurt weitergehen, „weil es eine soziale Basis in der frühen Kindheit schafft“, sagt Ute Sauer, die Leiterin des Stadtschulamts. Darauf könne in der Schule und dem späteren Leben aufgebaut werden. „Die Qualität des Angebots hat überzeugt.“ An den Kosten für die Weiterbildung der Erzieher müssten sich, nachdem die Stadt die Pilotphase finanziert habe, nun aber auch die Träger der Einrichtungen beteiligen.

Ein Artikel von Florian Leclerc, Frankfurter Rundschau Online am 05.06.2014

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