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Frau Bergmann, Sie haben mit ihrem Sohn Max bei dem Projekt Babywatching mitgemacht. Wie sah ein Besuch meistens so aus?

Max und ich saßen einmal in der Woche im Bewegungsraum des Kinderladens Cela in Bornheim zusammen, die Kinder auf Stühlen außen im Kreis. Zwei bis drei Erzieher waren dabei.

Was haben Sie und Ihr Sohn gemacht?

Das war ganz unterschiedlich, je nachdem, wie mobil Max zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwicklung war. Am Anfang, mit vier Monaten, lag er auf einer Decke vor mir. Die Kinder haben ihn mit einem Lied begrüßt, ihn dann beobachtet und beschrieben, was er macht. Mit zehn Monaten fing Max an, sich an die Beine der Kinder zu hängen. Max war sehr an seiner Umgebung interessiert, und wollte Kontakt zu den Kindern aufnehmen, hat sich aber auch immer wieder rückversichert, dass ich da bin.

Wie haben die Kinder auf Max reagiert?


Die Kinder fanden das ganz großartig. Sie haben sich gefreut, dass „ihr Baby“ wieder da ist – so haben sie ihn genannt. Sie haben auch an seiner Entwicklung teilgenommen und gesagt: „Unser Baby kann jetzt krabbeln“ oder „unser Baby“ kann greifen, sich drehen, gibt Laute von sich.

Was haben die Kinder Ihrer Ansicht nach beim Babywatching gelernt?

Das Babywatching hat sie unterstützt, Signale bei anderen zu verstehen und diese zu deuten. Es hat auch die Ausdrucksfähigkeit von eigenen Gefühlen und denen von anderen gesteigert. Nur schon dadurch, sich hinzusetzen und bewusst mit der Beziehung von Mutter und Baby zu beschäftigen. Das löst bei den Kindern bestimmt auch eine Erinnerung an die eigene, frühe Kindheit aus. Wie war das bei mir? Wie ist die Beziehung zu meiner Mama und meinem Papa. Durch das Babywatching entsteht sicher auch eine Bewusstheit, dass man Zeit braucht, sich in andere hineinzuversetzen, und nicht zu schnell sagt: „Der ist blöd, ich mag den nicht“, sondern: „Der ist heute nicht gut drauf, deswegen ist der so.“

Was haben Sie mitgenommen?

Ich finde es wichtig, Kinder für die Gefühle ihrer Mitmenschen zu sensibilisieren, deshalb habe ich das Projekt gerne unterstützt. Für mich als Mutter war es schön, von dem Umfeld aus Kindern, Erzieherinnen und Mentorin gespiegelt zu bekommen, wie schön und harmonisch meine Beziehung zu meinem Kind wirkt. Bei mir hat das einen Prozess angestoßen und die Frage ausgelöst: Wie möchte ich als Mutter sein?

Wie möchten Sie als Mutter denn sein?

Feinfühlig, empathisch, aufmerksam für die Stimmungen meines Kindes.

Was hat Max dort erlebt?

Für ihn war es eine Aufmerksamkeitsdusche. Seine Gefühle standen dort Mittelpunkt. Es war aber auch ein Ort der Entschleunigung. Max fand es spannend, mit diesen großen Kindern in Berührung zu kommen. Er fand den Trubel rund um ihn ganz toll. Was ihn bestimmt gefreut hat, war die Freude über ihn.

Ein Artikel von Florian Leclerc, RF Online am 05.06.2014

Zum Online-Artikel: Hier

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