ab 26.10.2013

Psychosomatik: Ist Bindung der Schlüssel?

Die Rolle von instabilen Beziehungen in der Kindheit wird in der psychosomatischen Medizin zunehmend erforscht. Neue Studien versprechen etwa bei dem verbreiteten Schmerzsyndrom Fibromyalgie Hoffnung.

Zum Mainstream, sagte der Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch in seiner Eröffnungsrede im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität München, gehöre die bindungsorientierte Herangehensweise in den deutschen Kliniken für Psychosomatik und für Psychiatrie noch lange nicht. Aber immerhin hat das Thema Bindung vor etwas mehr als einem Jahrzehnt den Sprung von der Grundlagenforschung in die Klinik geschafft. Wie bedeutsam es in einzelnen Bereichen schon geworden ist, wurde jetzt in den Vorträgen des internationalen Kongresses „Bindung und Psychosomatik“ in München deutlich. Welchem Bindungstyp ein Patient angehört und was er in seinem Leben für Erfahrungen mit Bindung machen konnte: Für eine wachsende Zahl von Ärzten und Psychotherapeuten – und für deren wissenschaftliche Arbeiten – sind diese Fragen entscheidend geworden. Denn man stellt inzwischen einen Zusammenhang mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern – von der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS über Asthma bis hin zu Schmerzsyndromen – her. In manchen Fällen könnte der Erfolg der neuen Herangehensweisen einer bemerkenswert großen Zahl von Patienten Hoffnung geben.

Ulrich Egle etwa, der ärztliche Direktor der psychosomatischen Celenus-Fachklinik in Gengenbach, berichtete in München über die Chancen, die ein bindungsorientierter therapeutischer Ansatz bei Fibromyalgie bietet, einem Schmerzsyndrom, das zwischen zwei und vier Prozent der Bevölkerung betrifft, neunzig Prozent der Patienten sind Frauen. „Die Debatte über Fibromyalgie hat sich in den vergangenen zehn Jahren verschoben“, sagte Egle. „Dass es sich um eine zentrale Stressverarbeitungsstörung in bestimmten Hirnbereichen handelt, wird zunehmend anerkannt – leider nicht in Deutschland, aber international.“Die Diagnose Fibromyalgie wurde ursprünglich von Rheumatologen eingeführt, die damit Patienten belegten, die unter Muskel- und Gelenkschmerzen sowie häufig auch Abgeschlagenheit und Schlafstörungen leiden, ohne dass beispielsweise orthopädische oder immunologische Ursachen gefunden werden können. Im Jahr 1990 veröffentlichte das American College of Rheumatology einen Kriterienkatalog; hier wurde unter anderem gefordert, dass mindestens elf von achtzehn definierten Sehnenansatzpunkten am Körper bei Druck durch den Arzt schmerzempfindlich sein sollten.

 

Zum Online-Artikel auf der Webseite der FAZ: » mehr